Beitrag von Susanne Berthold-Asdonk & Ben Asdonk

Als wir uns dazu entschlossen, mit IOP Germany die Herbstgruppenreise nach Ilula zu machen, waren wir sehr gespannt, was uns in Tansania erwartet. Wir waren bereits einige Male in Afrika, Ben betreut auch eine Schulpartnerschaft in Burkina Faso und Susanne war bereits vor über dreißig Jahren für ein Jahr als Freiwillige in Tansania und sehr neugierig, was sich seitdem in dem Land verändert hat.
Irma und Jos und die anderen aus der Gruppe lernten wir bei einem Vortreffen in Kleve kennen, bei dem wir auch schon einiges über IOP erfuhren und alle Fragen stellen konnten, die wir so hatten.
Am Abreisetag trafen wir uns dann ganz früh am Morgen mit der Gruppe am Flughafen Düsseldorf, wo wir alle einen zweiten Koffer in Empfang nahmen, der liebevoll gepackt war mit verschiedenen nützlichen Sachen für IOP. Der Weg nach Ilula führte uns zunächst mit dem Flugzeug über Istanbul nach Daressalam, einer großen Hafenstadt am Indischen Ozean, wo wir in der Nacht müde ankamen und bereits von IOP-Mitarbeitern und unserem Privatbus empfangen wurden. Der anstrengendste Teil der Anreise lag aber noch vor uns: Die Busfahrt über den dicht befahrenen Tanzam-Highway ins Landesinnere, vorbei an kleinen Dörfern, Straßenständen, Bergketten und durch einen Nationalpark, in dem wir sogar Elefanten, Giraffen, Zebras, Affen und andere Tiere in freier Wildbahn zu Gesicht bekamen.
Als wir endlich abends das Gelände von IOP erreichten, war die Müdigkeit wie weggeblasen.
Den Empfang und später am Abend die Begrüßungsfeier, so herzlich, offen und berührend, hatten wir nicht erwartet. Das IOP-Personal, die Kinder des Waisenhauses und viele Mitarbeitende hatten sich versammelt: Musik, Tanz, lachende Gesichter, Umarmungen – die Freundlichkeit und Wärme ging uns tief unter die Haut. Trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede fühlten wir uns sofort willkommen. Unsere Unterkunft waren auf dem IOP-Gelände gelegene „Cabins“, die alle einfach, aber sehr schön und gemütlich eingerichtet und gestaltet waren, so dass wir uns dort sehr wohl fühlten und auch nach anstrengenden Tagen einen Rückzugsort hatten.
Die nächsten knapp zwei Wochen waren geprägt von einem abwechslungsreichen und dicht gefüllten Programm, bei dem wir sowohl die vielfältigen Projekte von IOP als auch andere Einrichtungen, wie ein kirchliches Kleinkinderheim, eine staatliche Schule und ein staatliches Krankenhaus besuchen konnten. Auf dem Programm standen auch touristische Ausflugsziele, z.B. in Iringa, der Hauptstadt der gleichnamigen Region: ein interessanter Massai-Markt, in dem vielfältige Handwerkskunst verkauft wird, ein großer überdachter Markt, in dem es trubelig und bunt zugeht, und ein verwinkelter Gewürzmarkt, der das Herz von Leuten, die gerne kochen, höher schlagen lässt.
Es bestand die Möglichkeit eine Safari in dem nahegelegenen Ruaha National Park, einem Geheimtipp jenseits von Serengeti und co, zu unternehmen. Ein Teil unserer Gruppe nahm dies in Anspruch und wir andern bekamen viele Tierfotos, Videos und begeisterte Nachrichten.
Wir nutzten gerne die Zeit, um die Lord´s Hill Secondary School von IOP intensiver kennenzulernen, die bereits eine Schulpartnerschaft mit der Robert-Schuman-Europaschule in Willich unterhält, die Ben weiter ausbauen möchte. Dazu besuchten wir einen ganzen Tag die Schule, ließen uns von Titus, dem Schulleiter, und Ajolon, dem Abteilungsleiter für Bildung, alles zeigen: Unterricht, Pausen, Internatsgebäude, Mensa und Sportplätze, wobei wir tolles Foto- und Videomaterial für ein Schulporträt für zu Hause erstellen konnten. Den Schülerinnen und Schülern wird viel abverlangt: Ihr Tag beginnt um 5.00 Uhr morgens und endet mit Hausaufgaben von 20.00 bis 22.00 Uhr abends. Aber dafür erhalten sie ein sicheres Umfeld und ein fundierte Bildung, die ihnen einen Weg in die Zukunft ermöglicht.
Außerdem unternahmen wir mit dem Rest der Gruppe eine sehr schöne Fahrt nach Isimila, einem magischen prähistorischen Ort mit beeindruckenden Steinformationen und einer archäologischen Ausgrabungsstätte mit Steinwerkzeugen früher Menschen.
Auf der Reise lernten wir die Arbeit von IOP intensiv kennen und waren fasziniert davon, wie aus dem Waisenhaus, das von der Norwegerin Berit Skaare 1998 gegründet wurde, eine große mittlerweile in tansanischer Leitung liegende Organisation entstanden ist, die mehrfach als beste tansanische NGO für Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde.
Wir durften auf dem Gelände alles besichtigen: die Näherei, die Schreinerei, die Landwirtschaft mit Fischteich und Hühnerfarm, die Betonstein-Herstellung, in der viele Menschen Arbeit und ein Einkommen finden und die auch als Ausbildungsstätte dienen. Darüber hinaus natürlich das Waisenhaus als Herzstück von IOP, das liebevoll geleitet wird und in dessen Komplex auch die Büros, die Küche und der Speisesaal für uns Gäste lag.
An den folgenden Tagen besuchten wir die Grundschule „Sunflower“, die weiterführende Schule „Lord`s Hill“, die Bücherei, das Büro des Sponsorenprogramms, in dem sehr transparent und professionell das Auswahlverfahren erklärt wurde und wir alle Fragen stellen konnten und nicht zuletzt das „Mama-Haus“, in dem junge, minderjährige Mütter mit ihren Kindern leben und dort geschützt und gestärkt werden auf ihrem weiteren Weg.
Auch die Avocado Farm, die von IOP Germany gesponsert wird und die Farm for the Future, die mit IOP Tansania eng zusammenarbeitet, standen auf dem Programm
Wir durften die IOP-Mitarbeitenden zu sogenannten vulnerablen Familien und Senioren begleiten, die besucht werden, um entweder in das Sponsoren-Programm mit aufgenommen zu werden oder um in Erfahrung zu bringen, ob materielle oder andere Hilfe nötig ist. Dafür sind wir in die umliegende Gemeinden gefahren und konnten einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen hier im ländlichen Tansania gewinnen.
Besonders beeindruckend und auch bedrückend fand ich, Susanne, dass sich für viele Menschen seit dreißig Jahren an den Lebensumständen nicht viel geändert hat. Die Senioren, die wir besuchten, hatten immer noch kein Wasser in der Nähe, geschweige denn im Haus und mussten auf kilometerlangen Wegen das Wasser in Kanistern heranschleppen. Die meisten Menschen können sich keine Krankenversicherung leisten und müssen, wenn sie krank sind, weite Wege auf sich nehmen und die teuren Medikamente selber bezahlen. Mein Eindruck ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich (wie fast überall) in den letzten Jahrzehnten auseinander gegangen ist. So gibt es durchaus einige, „die es geschafft haben“, die ein Geschäft, ein schönes Haus und mehr Einkommen haben. Für viele Menschen scheint dies aber weiterhin unerreichbar.
Auch aus diesem Grund fasziniert uns die Arbeit von IOP so sehr, weil sie tief in die Dorfgemeinschaft hineinwirkt, Arbeitsplätze schafft, Bildung und ein sicheres Einkommen ermöglicht und nicht nur die Kinder fördert, sondern eben auch die Familien dieser Kinder, die oft von Armut und Krankheiten betroffen sind.
Als besonders schön haben wir die Eröffnung des neuen Gebäudes des Montessori-Kindergartens in Erinnerung, an dessen Eröffnungsfeier unsere Gruppe teilnehmen durfte. Das von IOP-Germany finanzierte Gebäude wurde feierlich vom Leiter von IOP-Tansania Bwana Edson, der Kindergartenleiterin und Irma und Jos Jansen eröffnet. Der Raum war so schön gestaltet und wir sahen, wie konzentriert die Kinder mit den schönen Materialien arbeiteten, ganz wie Maria Montessori sich das gedacht hatte.
Ein besonderes Erlebnis war auch das Fest von IOP-Germany am Samstag, bei dem alle geförderten Kinder und ihre Familien eingeladen waren. Es wurde getanzt, gespielt und zusammen gegessen – ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis, das uns zeigte, dass die Hilfe von IOP keinerlei Bevormundung bedeutet, sondern Solidarität unter Freunden und Freundinnen darstellt.
Auch das gemeinsame Mittagessen mit den jungen Müttern, die bei IOP eine Ausbildung oder Unterstützung erhalten, hat uns tief bewegt. Wir haben uns ausgetauscht über unsere verschiedenen Lebenswirklichkeiten und dabei mal wieder festgestellt, dass Menschen überall auf der Welt im Grunde die gleichen Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte haben.
Wir haben so viel erlebt und gesehen, was wir gar nicht alles in einen Reisebericht packen können. Am allermeisten beeindruckt haben uns die persönlichen Begegnungen mit den verschiedenen Menschen, den Kindern, den jungen Müttern, den Auszubildenden, den Senioren und Seniorinnen und den IOP-Mitarbeitenden, die mit großem persönlichen Einsatz das Leben der Menschen vor Ort verbessern wollen. Wir haben viel gelacht in der Zeit, manchmal auch geweint, viel getanzt und gesungen (viel mehr als in Deutschland), fast jeden Morgen an der Andacht teilgenommen, uns dabei inspirieren lassen von dem Glauben und der Hoffnung der Menschen. Auch in der altersgemischten und heterogenen Reisegruppe haben wir uns sehr wohlgefühlt. Abends haben wir oft auf der Terrasse zusammengesessen und mit einem Bier oder Tee den Tag ausklingen lassen können.
Danke an Irma und Jos Jansen, die uns diese unvergessliche Reise ermöglicht haben, immer ein offenes Ohr für all unsere Anliegen hatten und die vor allem mit großem Herz und Einsatz unbürokratische Hilfe leisten, wo Not ist.
Susanne Berthold-Asdonk & Ben Asdonk
