Beitrag von Dominic Schultz 

Manchmal reicht ein ganz normaler Moment im Alltag – ein bestimmter Ort oder eine Situation – und schon kommt eine Erinnerung hoch, die einen plötzlich zum Lächeln bringt. Es kann etwas sein, das völlig zufällig passiert und gar nichts mit einem selbst zu tun hat, oder eine Geste von jemandem, der Teil davon war. Davon gab es in den letzten vier Monaten seit meiner Rückkehr aus Tansania sehr viele – auf beide Arten.

So auch vergangene Woche, als ich auf der Arbeit war und zwischen ganz normalen Abläufen kurz auf mein Handy schaute und eine Nachricht von einer anderen Freiwilligen aus Italien sah. Ich wusste nicht, was der Inhalt war, aber trotzdem kam sofort Freude in mir auf. Als ich die Nachricht wenig später in Ruhe anschaute, öffnete ich ein Video, in dem ein Kind aus dem Waisenhaus ein paar Sätze an mich richtet und ankündigt, mich bald wieder telefonisch zu sehen. Für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als wäre ich wieder dort und als würde die Entfernung zwischen uns keine Rolle spielen. Als ich das realisierte, überkam mich große Freude, und ich musste noch mehrmals am Tag daran denken und dabei lächeln.

Als ich mich im Oktober auf die aufregende Reise nach Tansania begeben habe, hätte ich mir nicht vorstellen können, so viele kontinuierlich schöne Erinnerungen zu schaffen. Ich bin eher mit einer gewissen Unsicherheit und Anspannung losgezogen, mit dem Ziel zu lernen und vor Ort etwas Positives zu bewirken. Die afrikanische Kultur hat mich bereits seit meiner Kindheit interessiert, weshalb ich mich für den Freiwilligendienst bei IOP entschieden habe.

Vor Ort hatte ich die Möglichkeit, in der Schreinerei Möbel für Schulen zu bauen und beim Bau eines Daches für ein Gebäude mitzuwirken. Etwas herzustellen, das direkt vor Ort genutzt wird, war für mich etwas Besonderes. Die meiste Zeit habe ich sportliche Aktivitäten mit den Kindern der Sunflower Primary School, dem Kids Corner und dem Waisenhaus durchgeführt. Meine ersten Erfahrungen aus kleineren Trainertätigkeiten mit Kindern und Erwachsenen in Deutschland haben mir dabei zu Beginn sehr geholfen.

Die unglaubliche Dankbarkeit der Kinder war jedoch selbst für mich neu. Obwohl die Bedingungen zum Sporttreiben deutlich eingeschränkter waren, waren Freude und Begeisterung umso größer. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Moment nach meinem ersten Fußballtraining: Auf dem Rückweg sah ich ein Kind auf die Mauer des Schulgeländes klettern, das mir hinterherrief: „Asante na tuonane kesho.“ Es bedeutet: Danke und bis morgen.

Um die Sicherheit beim Spielen und Sport zu verbessern und zusätzliche Sportausstattung zu ermöglichen, habe ich nach meiner Rückkehr eine Spendenaktion gestartet. Ich hoffe, damit bald zwei Fußballtore und mehrere Spielgeräte finanzieren zu können.

Im Waisenhaus haben wir viele gemeinsame Aktivitäten durchgeführt – darunter eine Olympiade, eine Modeschau, Spielabende und eine weihnachtliche Filmnacht. Es war besonders schön zu sehen, wie viel Freude diese Momente bei den Kindern ausgelöst haben und diese Freude gemeinsam mit ihnen zu teilen. Zum Abschluss haben wir ein Freundebuch erstellt, in dem die Kinder jederzeit auf die gemeinsame Zeit sowie ihre Träume und Wünsche zurückblicken können.

Der Abschied fiel mir Anfang des Jahres unglaublich schwer. Es war kein einzelner Moment, sondern ein Prozess über mehrere Tage – mit vielen letzten Gesprächen, Umarmungen und Blicken, die mir bis heute im Kopf geblieben sind. Es war schwer zu begreifen, dass diese Menschen plötzlich nicht mehr Teil meines Alltags sein würden. Auf die zurückliegenden Momente und Erlebnisse werde ich immer sehr gerne zurückschauen, weil mir die Menschen bei IOP ihre positive Art als Geschenk fürs Leben mitgegeben haben.

Ich habe gelernt, dass wir – egal woher wir kommen – immer das Beste aus unserer Situation machen können und damit auch andere anstecken können, denen es vermeintlich besser geht.

Abschließend möchte ich einfach Danke sagen für diese Zeit. Ich werde definitiv nach Ilula zurückkehren.

Dominic Schultz