Beitrag von Irina Fassbender

Zwei Wochen waren wir mit IOP Germany unterwegs – eine kurze Zeit, aber voller Eindrücke, die mich nachhaltig bewegen und die ich wohl nie wieder vergessen werde.
Schon die Anreise selbst war ein Erlebnis. Zwar ist sie lang und kräftezehrend, allerdings war alles perfekt organisiert. Auf zwei Flüge folgte eine Busfahrt quer durchs Land, die einen ersten Einblick in das Leben der Menschen vor Ort und ihren Alltag entlang der Straße bot.
Völlig surreal erschien mir dieser erste Eindruck. Hier ahnte ich langsam, unter welchen harten Lebensbedingungen viele Menschen in Tansania leben. Das ganze Ausmaß zu erfassen, ist in dieser kurzen Zeit unmöglich. Die fehlende Infrastruktur und die Armut, die man bereits aus dem Busfenster sehen konnte, haben mich überrascht und nachdenklich gestimmt. In besonders guter Erinnerung bleiben mir die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die uns überall entgegengebracht wurde.
Bei der Ankunft bei IOP in Ilula wurden wir von den wunderbaren Mitarbeitenden und Kindern mit viel Wärme und Freude empfangen. Ich habe mich sofort sehr willkommen gefühlt. Zudem waren die Cabins, in denen wir untergebracht waren, sehr gemütlich eingerichtet, und die Mahlzeiten waren allesamt ausgesprochen lecker.
Mit der hervorragenden Versorgung und der guten Organisation (eigene Werkstatt, Schneiderei, Bibliothek, Tierhaltung, etwas Landwirtschaft etc.) wirkte das IOP-Gelände auf mich wie eine unwirkliche, schöne Oase.
Das Programm der folgenden zwei Wochen war enorm vielfältig. Wir lernten zahlreiche Projekte von IOP kennen und besuchten sowohl öffentliche als auch private Schulen, Kindergärten und ein staatliches Krankenhaus.
Wunderbar finde ich auch das Mamahaus:
Junge, alleinerziehende Mütter erhalten hier ein sicheres Umfeld und eine Ausbildung, um sich und ihre Kinder langfristig gut versorgen zu können. Ihr Gefühl von Selbstwirksamkeit und Selbstwert wird dabei gezielt gestärkt.
Erst vor Ort wurde mir wirklich bewusst, wie begrenzt die Möglichkeiten vieler Familien sind: kaum oder kein Zugang zu Bildung, fehlende medizinische Versorgung sowie Lebensumstände und Lebensgeschichten, die mich teilweise tief erschüttert haben.
Umso beeindruckender war es zu erleben, mit welchem Engagement IOP vor Ort arbeitet und wie transparent und direkt die Hilfe bei den Menschen ankommt. Der Nachhaltigkeitsgedanke und das Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden hier tatsächlich gelebt.
Besonders wirkt in mir der Besuch eines kirchlichen Kinderheimes in Iringa nach, in dem etwa 150 Kinder – überwiegend Waisen – im Alter von 0 bis 6 Jahren leben und versorgt werden. Alles ruht auf den Schultern zweier Nonnen und einiger junger Mädchen, die nach Kräften helfen. Trotz der enormen Herausforderungen tun sie alles, was ihnen möglich ist, um den Kindern ein Stück Geborgenheit zu geben. Dieser Ort hat mich im Innersten berührt. Die Gesichter der Kinder und ihre Freude trotz allem werde ich nie vergessen.
Was diese Reise außerdem besonders machte, war der Zusammenhalt innerhalb unserer Gruppe. Gemeinsam staunten wir, lachten, waren fassungslos – und erlebten, wie wertvoll und wirkungsvoll die Arbeit von IOP ist.
An zwei Tagen nahm ich zudem an einer Safari im Ruaha-Nationalpark teil. Früh morgens machten wir uns auf den Weg in diesen beeindruckenden, vergleichsweise wenig bekannten Park. Die Weite der Landschaft und die Begegnungen mit Elefanten, Giraffen, Zebras und vielen weiteren Tieren in freier Wildbahn waren überwältigend.
Ein Nilpferd kreuzte abends unseren Weg vom Restaurant zur Unterkunft – glücklicherweise begleitete uns ein Massai und achtete auf unsere Sicherheit.
Dieses touristische „Kontrastprogramm“ war zugleich schwer auszuhalten, da man nun eine Ahnung davon hatte, wie völlig anders das Leben der Menschen in weiten Teilen Tansanias aussieht.
Diese Reise war ein Geschenk. Eine Möglichkeit, Menschen und ihre Kultur kennenzulernen. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Moment – und dafür, dass IOP einen Weg aufzeigt, wie Unterstützung wirklich etwas bewegen kann.
Ein großes Dankeschön gilt außerdem unseren Fahrern, die uns täglich überall sicher hingebracht haben – keine Selbstverständlichkeit, wie ich feststellen musste. Auf Tansanias Straßen unterwegs zu sein, ist abenteuerlich.
Und zu guter Letzt kann das Dankeschön an Irma und Jos gar nicht groß genug sein. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Struktur, Herz und Energie ihr für IOP etwas bewegt und bewirkt – und das nicht nur vor Ort, sondern jeden Tag. Zudem hattet ihr jederzeit ein offenes Ohr für wirklich jedes unserer Anliegen.
Irina Fassbender
