Beitrag von Leni Friedrich 

Jetzt sitze ich hier in Berlin, schaue aus dem Fenster in den grauen Winterhimmel und meine Gedanken
schweifen zurück. Zurück zu meiner Zeit bei IOP und den drei intensiven Monaten, die ich in Tansania verbracht habe. Mein Name ist Leni, und Ende 2024 hatte ich das große Glück, 2,5 Monate bei IOP zu sein – eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat, mehr als ich es je erwartet hätte.

Als ich mich für die Freiwilligenarbeit entschied, wusste ich nicht genau, was mich erwarten würde. Ich wusste nur, dass ich einen Beitrag leisten wollte. Doch was ich erleben durfte, war so viel mehr. Diese Zeit war eine Reise in eine völlig neue Welt und zugleich eine Reise zu mir selbst. Von Anfang an wurde ich mit einer Wärme empfangen, die mich tief berührt hat. Obwohl mir der Ort fremd war, fühlte ich mich sofort willkommen und von den Mitarbeitenden bei IOP unterstützt.

Ein großer Teil meiner Zeit spielte sich in den drei Schulen von IOP ab: der Vorschule „Kids' Corner“, der
Grundschule „Sunflower“ und der weiterführenden Schule „Lord’s Hill“. Jede dieser Einrichtungen hat mich auf ihre eigene Weise beeindruckt. Besonders die Wochen in der „Kids' Corner“ haben Spuren in meinem Herzen hinterlassen. In dieser kleinen, liebevoll geführten Vorschule durfte ich die ältere Klasse in Englisch, Mathematik und Gesundheitsbildung unterrichten. Die Freude und Begeisterung der Kinder waren ansteckend, und es war ein Geschenk, sie bei ihrer Abschlussfeier im Dezember begleiten zu dürfen

In der „Sunflower School“ verbrachte ich ebenfalls viel Zeit. Dort habe ich vor allem die Klassen 1 und 2 im Englischunterricht unterstützt. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit, mit den älteren Schülern ein Projekt zum Thema Klimawandel durchzuführen. Die Gespräche mit den Kindern der Klassen 5 bis 7 waren beeindruckend – sie wussten schon so viel und waren voller Interesse und Ideen. An der „Lord’s Hill Secondary School“ habe ich ein Partnerschaftsprojekt mit einer Schule in Deutschland betreut. Es war schön, dabei zu helfen, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen, sei es durch Zoom-Meetings, die Erstellung eines gemeinsamen Kalenders oder den Austausch über Träume und Chancen.

Die Arbeit in den Schulen hat mich nicht nur glücklich gemacht, sie hat mir auch die Augen geöffnet. Bildung, die für uns in Deutschland selbstverständlich ist, bleibt in Tansania ein Privileg. Viele Kinder können nicht zur Schule gehen, weil ihre Familien es sich schlicht nicht leisten können. Besonders in großen Familien fehlt oft das Geld. Die Lehrerinnen und Lehrer leisten trotz der schwierigen Bedingungen eine unglaubliche Arbeit. Sie investieren all ihre Energie, um den Kindern eine Zukunft zu ermöglichen.

Neben den Schulen habe ich viele andere Projekte kennengelernt. Besonders ans Herz gewachsen ist mir das „Young Mothers Project“ und die Arbeit im Rahmen der „16 Days of Activism Against Gender-Based Violence“.

Als junge Frau war es für mich besonders bewegend, die Geschichten der jungen Mütter zu hören. Viele von ihnen waren in meinem Alter, und doch trennen uns Welten – nicht wegen unserer Träume oder Fähigkeiten, sondern allein durch die Umstände, in die wir geboren wurden. IOP gibt diesen Frauen Hoffnung und Perspektiven, und es war unglaublich bereichernd, Teil dieser Arbeit zu sein.
Auch die Zeit im Mama-Haus hat mich tief berührt. Dort konnte ich die jungen Mütter und ihre Geschichten aus nächster Nähe erleben. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Mut und Kraft in diesen Frauen steckt und wie sehr sie davon profitieren, dass IOP ihnen hilft, einen neuen Weg einzuschlagen.

Doch die intensivsten Momente habe ich mit den Kindern im Center erlebt. Jeden Tag verbrachten wir
miteinander: Wir kochten, malten, sangen und tanzten zusammen. Wir halfen ihnen bei den Hausaufgaben und überlegten uns am Wochenende kleine Ausflüge oder Aktivitäten. Mit der Zeit wuchsen wir wie eine kleine Familie zusammen. Es war wunderschön, sie alle besser kennenzulernen, aber genau deshalb fiel mir der Abschied so schwer.

Bei all den berührenden und schönen Erlebnissen darf man die andere Seite nicht vergessen. Ich habe Armut, Gewalt und Ungerechtigkeit gesehen, wie ich sie in dieser Form noch nie erlebt hatte. Natürlich gibt es diese Dinge auch in Deutschland, aber in Tansania sind sie in vielen Dörfern Teil des Alltags. Besonders die Situation von Frauen und Kindern hat mich oft sprachlos gemacht.

Doch genau deshalb ist die Arbeit von IOP so sinnvoll. Zu sehen, wie engagiert sie vor Ort gegen diese
Probleme ankämpfen, hat mir Hoffnung gegeben. Zurück in Deutschland trage ich all diese Eindrücke in mir. Sie haben meinen Blick auf die Welt verändert und mir gezeigt, wie wichtig es ist, für das einzustehen, was wirklich zählt. Ich bin unendlich dankbar für diese Zeit und hoffe, dass es nicht mein letztes Mal bei IOP gewesen ist.

Leni Friedrich