Beitrag von Amelie Reffeling 

Wieso haben nicht alle Kinder auf der Welt ein Recht auf eine gute Erziehung und Bildung? Diese Frage hat mich, nachdem ich mein Abitur im Jahr 2022 abgeschlossen habe, brennend interessiert. Spenden allein helfen einem Entwicklungsland nicht Probleme, wie eine fehlende Schulausbildung oder ungenügende Erziehung, zu lösen.
Die Bewältigung dieser Probleme gelingt nur durch das Wissen und die Hilfe von außen. Vor allem die emotionale Nähe und ein Verständnis für die unterschiedlichen Umstände kann nur Vorort aufgebaut werden und kann durch kein Geld ersetzt werden.

Aus diesen Gründen habe ich mich entschieden, eine Freiwilligenarbeit in dem Waisenhaus in Tansania anzutreten. Dann verließ ich Anfang Oktober 2022 mein gewohntes Umfeld in Asperden/Hassum, um in die afrikanische Kultur einzutauchen. Ich erlebte Dinge von absoluter Armut und umstrukturierten Situationen, die für uns Europäer unvorstellbar sind. Mit den Waisenkindern führte ich viele Aktionen, wie basteln und kleine Ausflüge in der Vorweihnachtszeit durch.

Um die Hygiene in dem Waisenhaus zu verbessern, habe ich durch gesammelte Spenden ein Badezimmer für 33 Mädchen aus dem Waisenhaus renovieren und eine Fliegengittertür in die Küche einbauen lassen. - ein Schritt in die richtige Richtung - Mit einer privaten Spende wurde zusätzlich eine Schaukel und eine Wippe für den geliebten Spielplatz der Waisenkinder gebaut, da diese defekt waren.

Ich konnte unendlich viel Dankbarkeit erfahren und sah viele strahlende Kinderaugen, als ich die Vorschule der weiterführenden, privaten Internatsschule „Lords Hill“ in Sport und Gesundheit unterrichten durfte. Als ich von Weitem zur Schule gelaufen kam, rannten die Kinder auf mich zu, umarmten mich und sangen „Oh Tannenbaum", welches wir in der Weihnachtszeit oft auf Deutsch
gesungen haben. Sie nahmen mich an die Hand und wir liefen gut gelaunt zusammen zum Klassenraum. Da manche Kinder von öffentlichen Schulen kamen und kaum Englisch sprachen, habe ich ihnen
viel davon nahe gebracht.

Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit die Young Single Mothers kennenzulernen, die teilweise jünger als ich sind und schon so viel Herausforderndes erlebt haben. Nicht nur diese habe ich bei deren Lehrstunden betreut, sondern auch die Talentschule, die sich mehrmals in der Woche traf, um zu tanzen, zu schauspielern und zu singen. Dort habe ich mich sehr willkommen und wohlgefühlt.

Zudem war ich mit anderen norwegischen Studenten und Freiwilligen bei einheimischen Familien, dem lokalen Krankenhaus, Entzugskliniken für Alkoholiker und Drogenabhängige, einer Unterkunft für Behinderte und Vielem mehr. Dadurch wurden mir nicht nur die kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede sehr deutlich vor Augen geführt, sondern ich habe auch gelernt in welchem gerechtem und sicherem Land ich aufwachsen durfte.

Mir wurde klar, dass ich auch zukünftig Kindern dieselben Chancen ermöglichen möchte. Aus diesem Grund habe ich eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Mit dieser möchte ich zwei engagierten Schülern, die ich selbst in der Vorschule unterrichten durfte, eine vierjährige Schulausbildung auf der Lords Hill ermöglichen.

Die Zeit bei IOP war unglaublich einzigartig und ich habe dadurch sehr viel über mich selbst und über verschiedene Lebensweisen und Kulturen kennengelernt. Mir sind die Kinder und Mitarbeiter von IOP sehr ans Herz gewachsen, sodass mir der Abschied sehr schwer viel. Ich hoffe, dass ich bald wieder nach Ilula zurückkehren kann, um die Entwicklung der Organisation und die heranwachsenden Kinder und den Staff wieder zu sehen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Zeit erleben möchte.
Amelie Reffeling